Presseschau

Kreis Düren. Die Gemeinde Inden plant einen politischen Vorstoß und will von Land und Bund fordern, für den Tagebau entschädigt zu werden. Landrat Wolfgang Spelthahn findet die Forderung berechtigt, aber... Im Interview mit Guido Jansen spricht Spelthahn über den Indener Dauerstreit, die Wachstumschancen des Kreises Düren trotz oder wegen des Tagebaus und die Perspektive für die Stadt Jülich.

Hintergrund: UDB-Antrag auf Strukturausgleichsförderung

Im Indener Rat wird gerade diskutiert, ob die Gemeinde wegen der Nachteile, die ihr mit dem Tagebau entstanden sind, Unterstützung von Bund und Land einfordern soll. Wie stehen Sie dazu?

Spelthahn: Man muss hier in einem größeren Zusammenhang denken. Meine Überzeugung ist, dass der Kreis Düren, der als einziger von drei aktiven Tagebauen betroffen wird, die Folgen der bisherigen Energieversorgungssituation im Lande relativ exklusiv getragen hat. Ich finde die Indener Forderung gerechtfertigt. Aber es kann nicht nur um den Indener Haushalt gehen. Damit springen wir deutlich zu kurz. Geld für Inden allein wird es nicht geben. Wir schauen auf die Lausitz als Region, in die die Bundesrepublik Milliardenbeträge investiert, um die Folgen der Tagebaue abzumildern.

Sehen Sie die Chance auf eine Förderung wie für die Lausitz?

Spelthahn: Ja, die Kanzlerin hat das in Interviews als Thema für die Zeit nach der Bundestagswahl angekündigt. Die große Aufgabe unserer Region ist es, die Hand zu heben und zu rufen, dass wir Unterstützung benötigen. Das haben wir als Zweckverband Aachen schon in einem Brief so formuliert. 6500 wegfallende Arbeitsplätze in der Braunkohle können wir nicht über Nacht wettmachen. Wenn ich mir anschaue, dass Milliarden in die Lausitz geflossen sind, sage ich: Wir sind jetzt dran!

Inden ist, neben Niederzier, besonders vom Tagebau betroffen. Die Gemeinde hat Fläche verloren, auf der sie hätte Baugebiete entwickeln können. Braucht Inden deswegen eine Sonderstellung hier vor Ort?

Spelthahn: Es steht außer Frage, dass Inden und die Menschen dort am meisten betroffen sind. Ich will auch Niederzier nicht vergessen. Aber Inden wird ja auch belohnt. Welche Gemeinde hat so attraktive Wohngebiete, in denen die Perspektive besteht, mit dem Indesee eine Art Tegernsee künstlich vor die Haustüre gesetzt zu bekommen? Ich würde, statt den Zustand rückwärts gerichtet zu beklagen, nach vorne blicken und schauen, wie ich aus dieser historischen Chance ein Modell entwickle, mit dem Inden zu einem der attraktivsten Wohn- und Arbeitsstandorte des Kreises wird.

Wie beurteilen Sie den dauerhaften Streit in der Indener Politik zwischen dem Bürgermeister auf der einen und den Fraktionen von CDU, SPD und Grünen auf der anderen Seite?

Spelthahn: Die Situation ist bei uns im Kreis einmalig. Der Kern des Ganzen ist ernsthaft. Für die Bürger kommt es darauf an, dass Rat und Verwaltung gut zusammenarbeiten. Das ist im Moment ein Stück weit gefährdet. Die Frage ist: Wo ist die Ursache? Bei Streitigkeiten ist fast nie einer allein schuld.

Zuletzt gab es den Streit um das Klagerecht des Bürgermeisters. Bürgermeister Jörn Langefeld hatte mehrfach angekündigt, das Thema bei der Aufsichtsbehörde, dem Kreis Düren, auf den Tisch zu bringen. Das hat er dann doch nicht getan. Wie hätten Sie das entschieden?

Spelthahn: Wir hätten das sorgfältig geprüft. Aber der Kreis ist nicht involviert worden. Vielleicht hat man im Eifer des Gefechts eine solche Prüfung angekündigt und dann eine Nacht drüber geschlafen und festgestellt, dass man auf einem irrigen Weg ist.

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