Presseschau
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Die Gemeinde ist die erste in der Region, in der eine unabhängige Fraktion die meisten Sitze im Rat innehat

Von Guido Jansen

Inden. Eine Seite aus unserer Zeitung wollen sich die Mitglieder der UDB rahmen lassen: Es ist die Titelseite unserer Ausgabe vom 15. September. Zwei Tage nach der Kommunalwahl hat unsere Zeitung auf einer großen Grafik gezeigt, welche Parteien in den Räten der Städte und Gemeinden in der Region die meisten Stimmen geholt haben. „Mittendrin liegt da so ein anthrazit gefärbter Fleck“, sagt Herbert Schlächter, der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Demokratischen Bürger (UDB) Inden. „Das sieht aus wie das gallische Dorf“, fügt der stellvertretende Bürgermeister Manfred Meurers einen Vergleich mit den resistenten Galliern in den Asterix-Comics hinzu, die von den Römern umzingelt sind. Worauf die UDB-Mitglieder – die Unabhängigen sind keine Partei, sondern ein Verein – stolz sind: Sie sind die Ersten in der Region überhaupt, die nicht aus dem arrivierten Parteienspektrum kommen und die stärkste Kraft in einem Rat geworden sind.

Ausgetreten aus der CDU

 

Vor dem 13. September hielt die UDB sechs Sitze im Indener Rat, jetzt sind es neun, plus den neuen Bürgermeister Stefan Pfennings, der aus ihrem Verein stammt. Zur Mehrheit im Rat reicht das noch nicht, trotzdem: „Wir werden jetzt anders wahrgenommen“, sagt Meurers mit Blick auf die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen im Rat. Entstanden war die UDB 2011, als fünf Ratsmitglieder der CDU aus der Partei ausgetreten waren. Die Zusammenarbeit damals sei laut Schlächter nicht an den Themen gescheitert, sondern an den Personen.

Seitdem war die UDB so etwas wie die Opposition im Indener Rat, weil es bis vor einem Jahr eine große Koalition aus CDU und SPD gegeben hatte. Die war Anfang des Jahres zerbrochen an der Frage nach einem Bürgermeisterkandidaten. Es sei bisher öfters so gewesen, dass Vorschläge vom Rat abgelehnt oder verschleppt worden seien, nur weil sie von der UDB waren. Diesen Eindruck bekräftigen Schlächter, Meurers und Geschäftsführer Gregor Krzenziessa-Kall. Seit die UDB stärkste Kraft ist, habe sich das gewandelt. „Die Ratsarbeit ist nicht mehr so konfrontativ“, sagt Krzenziessa-Kall. „Die SPD beispielsweise, oder die Grünen haben schon Bereitschaft signalisiert, auch mit uns an Sachthemen zu arbeiten.“

Das bedeutet, dass es in Inden in Zukunft wechselnde Mehrheiten geben könnte. Ein Umstand, der laut Schlächter schon in der DNA des Vereins angelegt sei. „Wir tragen das Wort unabhängig ja auch im Namen. Wir unterliegen keinem Parteizwang“, erklärt Schlächter. Eine politische Verortung der UDB falle ihm deswegen schwer. Ziel des Vereins sei, die besten Ideen für die Gemeinde umzusetzen.

Herausforderung Strukturwandel

Nach Jahren der Opposition wollen die Unabhängigen ihre neue Rolle mit viel Selbstbewusstsein ausfüllen. Als stärkste Fraktion stehen ihnen die meisten Ausschuss-Vorsitze zu, sie wollen eigene Themen setzen. „Aber, ganz wichtig: Wir suchen Partner für diese Themen“, betont Schlächter. Mit dem Strukturwandel habe die Gemeinde ein enorm großes und wichtiges Thema direkt vor der eigenen Haustüre. In keiner anderen Kommune im Rheinischen Revier hat der Braunkohletagebau prozentual so viel Fläche gefressen wie in Inden. Da sei es laut Schlächter das Wichtigste, dass die vier Fraktionen im Rat bei den wichtigen Entscheidungen an einen Strang zögen.

Seit Jahren schon geht es darum, die Zukunft zu gestalten, die Gegenwart wird, wenn der Tagebau Inden endet und wenn es dann immer noch viele Jahre dauert, bis der geplante See mit Wasser gefüllt ist. Einen Fokus will die UDB auf das Hier und Jetzt richten. „Wir müssen auch jetzt was für Menschen tun und uns nicht damit zufriedengeben, dass hier in 20 Jahren tolle Dinge entstanden sind“, erklärt Schlächter. Auch die heutige Generation habe ein Bedürfnis nach und ein Recht auf Naherholung. Mit dem Lucherberger See falle bald ein äußerst beliebtes Fleckchen weg, weil wegen des Tagebaus das Wasser aus dem künstlichen See abgelassen wird.

Ein Grund für den Wahlerfolg sehen die Unabhängigen in ihrer Art, Politik in Inden mitzugestalten. Es gebe keinen Parteienzwang, der den Hang zu Kritik verschärft, wenn die eigene Partei in Düsseldorf oder Berlin nicht in der Regierung ist und der Parteimitglieder vor Ort Kreide fressen lasse, wenn die Partei Regierungsverantwortung trage. Außerdem habe die UDB laut Schlächter immer Wert darauf gelegt, in der Gemeinde präsent und ansprechbar zu sein, beispielsweise auf den Festen und Ereignissen in Inden.

Stolz auf den Bürgermeister

Besonders stolz sei man auf Stefan Pfennings, den Bürgermeister aus den eigenen Reihen. Den hatte die UDB aufgestellt, als klar war, dass sich CDU und SPD wie bei der Wahl zuvor 2015 nicht auf einen Kandidaten einigen konnten, „und mit uns mal wieder keiner gesprochen hatte“, wie Schlächter es formuliert. Einig sei man sich gewesen, dass der damalige Amtsinhaber Jörn Langefeld (parteilos) im Gegensatz zu 2015 keine Unterstützung der UDB erhalten werde. „Aufgrund des andauernden Streits wurde das immer schwerer vermittelbar. Das war eine Spirale, die nicht mehr aufzuhalten war“, sagt Meurers. Deswegen die Entscheidung für einen eigenen Mann. „Das war die beste Entscheidung“, bekundet Schlächter. Pfennings bringe das mit, was Inden nach Jahren des Streits braucht: Fähigkeiten als Moderator und Mediator und den festen Vorsatz, mit allen Fraktionen im Sinne der Bürger gut zusammenzuarbeiten.

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